• 0 „Der Marsianer“ der Nordsee (Trischen)

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    Vogelwart Dr. Till Holsten im Interview Redaktion: In der Mai-Juni Ausgabe hatten wir einen Artikel über deinen Antritt als neuer Vogelwart auf der Vogel-insel Trischen. Nun interessiert uns brennend, wie es nach gut vier Monaten so ist als „Marsianer der Nordsee“. Bevor man so eine außergewöhnliche Aufgabe übernimmt, hat man sicherlich Erwartungen. Welche Erwartung hat sich für den Menschen Till Holsten voll erfüllt?Till: Das kann ich ganz klar sagen: Voll erfüllt hat sich meine Erwartung (und Hoffnung!), dass ich hier auf der Insel echte Entdeckungen machen kann. Vieles davon ist vor allem für mich persönlich neu. Dazu gehört zum Beispiel das Auseinanderhalten bestimmter Rufe verschiedener Vogelarten, die sich nur sehr diskret unterscheiden und denen man sonst kaum in dieser Dichte begegnet. Manches war aber auch noch gar niemandem bekannt. Die berühmten „weißen Flecken“ auf der Landkarte haben mich schon immer gereizt. Und wenn Trischen auch seit vielen Jahren von einem Naturschutzwart betreut wird, bietet doch jede Saison die Gelegenheit für Überraschungen. Insbesondere die Welt der Insekten ist hier kaum erforscht, das Vorkommen vieler Arten nicht bekannt. Da fühle ich mich ein wenig wie einer der alten Entdecker im Regenwald – oder eben auf einer einsamen Insel – und das macht unheimlich Spaß.Redaktion: Zu 100% stimmt unser Vergleich mit Mark Wattney aus dem Film „Der Marsianer“ nicht, denn so ganz alleine bist du ja nicht. Rund 5.000 Vogelbrutpaare besuchen Trischen jährlich. Ist Ornithologie eine zweite „Berufung“ für den Kinderarzt Dr. Till Holsten und warum?Till: Das unterschreibe ich euch sofort. Ich glaube, was mich zum Medizinstudium gebracht hat, war eher eine sehr allgemeine Faszination für alles Lebendige als das spezielle Interesse an der Wirkweise von Antibiotika oder einer Operationstechnik. Das gehörte dann natürlich alles dazu und war ausgesprochen interessant. Aber am glücklichsten bin ich, wenn ich „mitten im Leben“ sein darf. Und das hat so viele Facetten: Das kann eine Familie sein, die man aus dem Krankenhaus entlässt oder die blühende Salzwiese, ein Schwarm Seeschwalben genau so wie ein heranwachsendes Kind. In der Ornithologie gehen wissenschaftlicher Anspruch und Ästhetik eine besondere Verbindung ein, die sie für mich sehr reizvoll macht. Am wichtigsten ist aber, dass sowohl die Kinderheilkunde als auch die Ornithologie versuchen, unserer Welt eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.Redaktion: Mark Wattney hielt seine Erlebnisse und seinen Überlebenskampf auf dem Mars für die Nachwelt auf einem Videostream fest. Du machst ja etwas ähnliches im Vogelwart-Blog unter https://blogs.nabu.de/trischen/, der sich wirklich spannend und unterhaltsam lesen lässt. Auch die Fotos sind toll. Fliegen dir die Blog-Themen buchstäblich zu oder ist es mühevoll immer wieder etwas spannendes über die nur 180 ha große Insel mitten in der Nordsee zu finden?Till: Zunächst mal freut es mich sehr, wenn der Blog gut ankommt. Ich wollte ja allen Menschen, die nicht das Privileg haben, hier sein zu dürfen, zumindest ein kleines Trischen-Erlebnis ermöglichen. Und glaubt mir, ich könnte ohne weiteres ein dickes Buch mit Erlebnissen und Betrachtungen füllen. Der Blog repräsentiert vielleicht ein Zehntel oder ein Hundertstel dessen, was aufzuschreiben wert wäre. Anders als beim Schreiben fiktiver Literatur habe ich das Gefühl, dass ich mich draußen einfach nur umsehen und abschreiben muss, was die Natur mir vorlegt. Redaktion: Was fehlt dir auf Trischen?Till: Familie und Freunde. Punkt. Ich habe gerade kurz überlegt, ob ich „eine frische Pizza vom Italiener“ und „die Möglichkeit, sich mal eben kurz unter die Dusche zu stellen“ nennen soll, aber ehrlich gesagt wird das tausendfach aufgewogen durch all die anderen Dinge, die ich hier erleben darf. Redaktion: Den Vogelwart gab es ja auch schon bevor es das Internet gab. Kannst du dir vorstellen auf diesen Kontakt zur Außenwelt zu verzichten?Till: Keine ganz einfache Frage. Ich glaube in Sachen privater Kommunikation: Ja. Eine Telefonverbindung habe ich aber schon gerne. Allerdings nutze ich das Internet hier vor allem für die Arbeit. Dazu gehört die Kommunikation mit den Naturschutzverbänden und Medien, aber auch die Recherche und Diskussion schwierig zu bestimmender Vögel oder Insekten. Ich habe zwar einen Haufen Literatur mit dabei, die ich viel nutze, aber eine Zweitmeinung von einem Spezialisten zu einem ganz bestimmten Foto oder einer Tonaufnahme bietet sie natürlich nicht. Da hilft die E-Mail schon sehr.Redaktion: Über der Nordsee scheint ja nicht immer die Sonne und es ist windstill. Hattest du während deiner Zeit auf Trischen schon Wettersituationen, bei denen dir mulmig wurde?Till: Ja, es gab eine Situation, in der ich die Beine in die Hand genommen habe. Das war am Ende einer Vogelzählung. Ich stand an der Nordspitze der Insel, also mehrere Kilometer von der schützenden Hütte entfernt, als sich die Wolken am Horizont innerhalb von Minuten zu einem ausgewachsenen Gewitter verdichteten. Für den höchsten Punkt am Strand – mich - war das natürlich brandgefährlich. Ich habe es dann mit einsetzendem Regen gerade noch nach Hause geschafft. Ansonsten hätte ich mich flach in ein Dünental legen müssen. Ich kenne die Nordsee ja auch schon lange, aber das schützt nicht immer vor Fehleinschätz-ungen. Man darf sich nie zu sicher sein.Redaktion: Was wirst du für dich persönlich als Erfahrung mitnehmen, wenn im Oktober dein Job als Vogelwart endet?Till: Dann habe ich sieben Monate lang erlebt, wie reich unsere Welt ist – oder noch sein könnte. Die Vielfalt der Farben und Formen, die ich hier genieße, ist ja nicht nur was fürs Auge. Sie ist unsere Lebensgrundlage. Das wird oft vergessen, wenn man fernab der Natur lebt. Vögel sind nicht einfach irgendein Hobby wie beispielsweise eine Modelleisenbahn. Sie stehen als ein Beispiel für das, was wir erhalten müssen, wenn künftige Generationen auch eine Chance haben sollen, auf diesem Planeten zu leben. Der „Marsianer der Nordsee“ bringt also vor allem die Erkenntnis mit, dass unsere Erde glücklicherweise keine rote Wüste ist, sondern ein grünes Paradies sein kann. Ich hoffe sehr, dass wir das nicht vergessen und ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen.

  • 0 100 Jahre Kolle im Jahr 2020 (Büsum)

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    Man spürt die Geschichte des Hauses und der Familie Kolle, wenn man sich im „Restaurant Kolles Alter Muschelsaal“ kulinarisch vom Chef de Cuisine Karl-Heinz Kolle, seiner Familie und dem Team verwöhnen lässt. Die mit tausenden von Muscheln verzierten Wände, historische Bilder, Schiffsmodelle oder die überlebensgroße Galionsfigur „Wilhelmina“ wollen dem Gast von 100 Jahren Kolle erzählen. Davon, dass 1901 Adolf Siegfried das heutige Haus, die „Fischerbörse“ fertig baute oder wie der Malermeister Bernhard Busch die Idee hatte, das Zimmer neben der Gaststube mit Muscheln aus aller Welt auszukleiden. Oder wie „Wilhelmina“ 1914 in den großen Saal einzog. Im Winter 1919/1920 kam dann der Kaufmann Carl Kolle mit dem Zug nach Büsum. Er einigte sich bei einem heißen Grog mit dem damaligen Wirt der Fischerbörse Klaus Albrecht über den Kaufpreis für Gebäude und Betrieb. Die Familie Kolle zog nach Büsum und im März 1920 wurde aus der „Fischerbörse“ nun „Kolles Alter Muschelsaal“.Seit 100 Jahren im Familienbesitz1958 heiratete Erika Dorn in die Familie Kolle ein. Nachdem 1962 Carl Kolle verstarb, hatten sie und ihr Mann Werner Kolle das Sagen im Muschelsaal.Auch heute unterstützt Erika Kolle noch aktiv den Familienbetrieb in der Hafenstraße. Längst haben ihr Sohn Karl-Heinz und seine Frau Heidi die Verantwortung für den Betrieb übernommen. Und auch die nächste Generation ist mit Sohn Erik (27) am Start. Zusammen mit seinem Vater gründen sie eine GmbH & Co. KG und bauten neben dem Restaurant ein modernes, aber authentisches Hotel mit 24 Doppelzimmern. Im selben Zuge erhielt das Restaurant eine komplett neue Küche und Kühlhäuser sowie Außensitzplätze.Das Nationalpark-Hotel in BüsumDas Hotelkonzept ist zeitgemäß und von der Nähe und der Verbundenheit zum Nationalpark Wattenmeer inspiriert: nachhaltige Energien nach den aktuellen Richtlinien mit einem Blockheizkraftwerk und modernster Wärmedämmung, ein Farb- und Zimmerkonzept, das die Gäste im Erdgeschoss auf den Wattenboden, im 1. OG ins Meer und im 2. OG bis in den Himmel über der Nordsee führt. 24 bis über 50 qm groß mit Terrasse oder Balkon, werden die Suiten mit gemütlichem maritimen Flair. Einen Fahrstuhl, Glasfaser-Internet, eine Sauna und ein Beauty-Studio. Mit dem Hotelbau ist ein zukunftsträchtiger Weg für Büsums Gäste und die nächste Generation Kolle geschaffen worden. Hotel- & Restaurant „Kolles Alter Muschelsaal“Hafenstraße 27, 25761 BüsumTel. (0 48 34) 24 40www.kolles-alter-muschelsaal.de